Wasserkrise In Jordanien: Wie Das Königreich Gegen Den Drohenden Kollaps Kämpft

Wasserkrise In Jordanien: Wie Das Königreich Gegen Den Drohenden Kollaps Kämpft

Besuch von Außenminister Hakan Fidan in Jordanien, 8. März 2025, Amman ...

Die Wasserkrise in Jordanien erreicht im Jahr 2026 einen kritischen Höhepunkt. Extrem dürre Sommer, sinkende Grundwasserspiegel und ein anhaltend hohes Bevölkerungswachstum setzen die Wasserversorgung des haschemitischen Königreichs unter beispiellosen Druck. Während die Bevölkerung im Alltag mit strengen Rationierungen konfrontiert ist, beschleunigt die Regierung in Amman die Umsetzung billionenschwerer Infrastrukturprojekte, um das Überleben der städtischen Zentren langfristig zu sichern.



Kennzahl / Faktor Aktueller Status (2026)
Pro-Kopf-Wasserverfügbarkeit Unter 80 m³ pro Jahr (Schwellenwert für extreme Knappheit: 500 m³)
Netzverluste (Unmetered / Lecks) Schätzungsweise 45 bis 50 % des gepumpten Wassers
Schlüsselprojekt Aqaba-Amman-Entsalzungs- und Transportprojekt (AACNP)
Hauptwasserquellen Aquifere (Disi-Aquifer), Yarmouk-Fluss, Entsalzung
Haupttreiber der Krise Klimawandel, Übernutzung, hohes Bevölkerungswachstum, Infrastrukturmängel

Versiegende Quellen und Dürrewellen: Die Ursachen der historischen Verknappung

Jordanien zählt geografisch zu den wasserärmsten Ländern der Erde. Die tiefgreifende Wasserkrise in Jordanien ist das Resultat einer fatalen Kombination aus natürlichen Gegebenheiten und menschlichen Einflüssen. Übernutzung hat dazu geführt, dass fossile Grundwasservorkommen wie der Disi-Aquifer weit schneller abgepumpt werden, als sie sich natürlich regenerieren können. Gleichzeitig führen veränderte Niederschlagsmuster und steigende Durchschnittstemperaturen im Nahen Osten zu immer längeren Trockenperioden.

Ein weiterer Belastungsfaktor ist der demografische Wandel. Die Aufnahme von Hunderttausenden Geflüchteten in den letzten Jahrzehnten hat den Wasserbedarf schlagartig erhöht. Zusätzlich leidet das veraltete Leitungsnetz unter enormen Verlusten: Fast die Hälfte des geförderten Trinkwassers geht durch marode Rohre oder illegale Abzapfungen verloren, bevor es die Haushalte überhaupt erreicht.

Von Rationierung bis Entsalzung: Technische Großprojekte und tägliche Sparmaßnahmen

Für die Bevölkerung gehört der Mangel längst zum Alltag. In Städten wie Amman, Irbid oder Zarqa fließt Leitungswasser oft nur an einem einzigen Tag pro Woche. Die Bürger sind gezwungen, Wasser in privaten Dach-Tanks zu speichern oder teures Wasser von privaten Tankwagen-Anbietern zu kaufen, was einkommensschwache Haushalte finanziell stark belastet.

Um dem Kollaps entgegenzuwirken, setzt die jordanische Regierung primär auf das Aqaba-Amman Conveyance Project (AACNP). Dieses Megaprojekt sieht vor, Meerwasser aus dem Roten Meer bei Aqaba zu entsalzen und über eine mehr als 300 Kilometer lange Pipeline nach Norden in die Hauptregionen zu pumpen. Parallel dazu investiert das Wasserministerium massiv in die Modernisierung des Verteilernetzes, um die Leckagerate drastisch zu senken, sowie in moderne Abwasseraufbereitungsanlagen für die Landwirtschaft.


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Dynamiken bis 2030: Regionales Wassermanagement und internationale Kooperationen

Der langfristige Ausweg aus der Krise erfordert internationale Unterstützung und regionale Kooperation. Geberländer sowie globale Finanzinstitutionen wie die Weltbank und die Europäische Investitionsbank (EIB) unterstützen Jordanien mit Milliardenkrediten und Zuschüssen für Wasserinfrastruktur und die Nutzung erneuerbarer Energien. Da die Meerwasserentsalzung extrem energieintensiv ist, koppelt das Königreich neue Projekte zunehmend an großflächige Solar- und Windparks.

Die kommenden Jahre bleiben entscheidend. Das Gelingen der Großprojekte wird darüber entscheiden, ob Jordanien seine wirtschaftliche Stabilität wahren und seine Bevölkerung nachhaltig versorgen kann. Experten betonen, dass neben der Beschaffung neuer Wasserressourcen auch ein strikteres Ressourcenmanagement in der Landwirtschaft unerlässlich ist, um das Wasserdefizit bis Ende des Jahrzehnts wirksam einzudämmen.


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